Rezension zu Herausforderung Kommunalpolitik, 2026
In „Dienstschluss. Herausforderung Kommunalpolitik“ berichtet Uwe Schneidewind von der begrenzten Gestaltungsmacht eines Oberbürgermeisters. Es sind nämlich keineswegs nur die begrenzten Finanzhaushalte, die den notwendigen Wandel der Städte blockieren, sondern auch die Unfähigkeit der Lokalpolitiker*innen und ihre gestörte Kooperation mit der Verwaltung.
Er schildert eindrucksvoll die politischen Blockaden durch Stadtverordnete, die sich vorrangig an ihren Eigeninteressen und nicht am Wohl der Stadt ausrichten, und durch Parteien, die im Gewimmel von Einzelanliegen und fehlenden Mehrheitsfindungen unfähig sind, kommunale Projekte zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Er berichtet, wie neuartige Projekte darüber hinaus in einer Verwaltung verenden, der vorrangig daran gelegen ist, im Regel-Dschungel Fehler zu vermeiden und Probleme lieber verschiebt oder aussitzt.
Uwe Schneidewind sieht hier ein „Systemversagen“ und ruft zu einer Weiterentwicklung der lokalen Demokratie durch neue Formen der politischen Beteiligung auf. Sie sollten die bestehenden demokratischen Institutionen ergänzen und festigen. Er schildert kommunale Projekte aus der Geschichte Wuppertals sowie aus anderen Städten, die aus der politisch-administrativen Sphäre niemals hätten entwickelt werden können. Sie entstanden allein aus dem bürgerschaftlichen Engagement, der Kreativität und Kraft der Betroffenen, abseits von Parteiengräben. Uwe Schneidewind appelliert an die Kommunalpolitik, diese produktiven Kräfte und Motoren der Veränderung zu stärken und an den kommunalen Entscheidungen zu beteiligen.
Uwe Schneidewind, Professor der Wirtschaftswissenschaften, wurde 2020 von CDU und Grünen zum Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal aufgestellt. Nach Ablauf einer Amtsperiode zog er sich 2025 aus dem Politikbetrieb zurück.
Uwe Schneidewind: Dienstschluss. Herausforderung Kommunalpolitik
2. Aufl. 2026, Verlag Klaus Wagenbach GmbH
Taschenbuch € 20, auch als Kindle Format verfügbar
