Der Auslöser für den folgenden Beitrag von Regine Reinstorf, Mitglied der Expedition Hamme, ist ein von Bochum Marketing organisierte Podiumsdiskussion zur Olympiabewerbung 2040 (siehe Pressemitteilung). „Bochum Hamme beweist Realitätssinn und Humor und versenkt Olympia schon 2025“ und bezieht sich dabei auf eine Aktion im Oktober zur Einweihung des Inge-Baecker-Platzes (siehe): „Die Aktion in Hamme bezog sich zwar nicht auf die potenzielle Olympiabewerbung, sondern ausschließlich auf Inge Baecker und die Künstler die sie in ihrer Galerie vertrat, aber … Ein großes Werk thematisiert eben auch Olympia. 1972 hat sich der Künstler Wolf Vostell dazu in Bochum mit einer Arbeit positioniert und an ihn schloss die Kunstaktion in Hamme an.
Hier nun aber die Zusammenfassung des Podiumsgesprächs „Olympia in Bochum?“, veranstaltet von Bochum Marketing am Donnerstag, 4. Dezember, um 17:30 Uhr im Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte.
Als Expertinnen und Experten nahmen teil:
Lily Anggreny (ehemalige Paralympics-Siegerin), Michael Huke (Geschäftsführer TV Wattenscheid 01 und Olympia-Teilnehmer im Sprint), Jörg Lukat (Oberbürgermeister der Stadt Bochum) und Michael Scharf (ehemaliger Leistungssportler im Modernen Fünfkampf und Leistungssportdirektor Landessportbund Nordrhein-Westfalen).
War der Titel der Veranstaltung noch als Frage formuliert, so nutzen die Podiumsteilnehmer die Veranstaltung, die geplante Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, um die Olympischen und Paralympischen Spiele ab 2036 ausgesprochen intensiv zu bewerben.
Köln werde als „Leading City“ der insgesamt beteiligten 17 Städte fungieren. Das Gebiet um Rhein und Ruhr sei kompakt und in Großveranstaltungen erprobt, so die Fürsprecher. Für die erwarteten 10.500 Athleten werden die Sportstätten in ca. 60 min Fahrtzeit vom Olympischen Dorf aus erreichbar sein.
OB Jörg Lukat betonte insbesondere die internationale Strahlkraft und die identitätsstiftende Wirkung, die das Ereignis auch für Bochum haben könne. Er bemühte als Vergleich die Fußball WM von 2006 und ließ die Kommentare nationaler und internationaler Medien zu Gelsenkirchen im Rahmen der Fußball EM im Juni 2024 unerwähnt.
Michael Scharf erklärte, dass in Bochum Fußball und Moderner Fünfkampf ausgetragen werden soll. In Gelsenkirchen plant man, die Schalke Arena vorübergehend zum „Aqua-Dome“ umzurüsten, um dort die Schwimmwettbewerbe zum Publikumsmagneten mit potenziellen 60.000 Zuschauern werden lassen.
Nach aktueller Hochrechnung der Stadionkapazitäten sollen 14 Millionen Tickets verkauft werden. Die hohe Anzahl bewirke dann, dass die Ticketpreise deutlich, unter denen von Paris liegen würden.
Angesichts der hochfliegenden Pläne und (Heils-)Versprechungen für Sport und Region, waren die Nachfragen aus dem Publikum dann doch sehr nüchtern und für das Podium auch sichtlich ernüchternd. Große Skepsis wurde insbesondere dahingehend geäußert, ob die notwendigen Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur zeitgerecht geplant und dann auch umgesetzt werden. Ein Teilnehmer verwies auf die Erfahrung mit Versprechungen zu dem Thema im Rahmen der „Kulturhauptstadt 2010“. Wenig, bis nichts sei umgesetzt worden.
Fragen nach den Kosten der Olympiade für die Allgemeinheit ließen die Podiumsteilnehmer wortreich unbeantwortet.
Immerhin: Eine Einwohnerbefragung – per Briefwahl – ist für den 19. April 2026 vorgesehen.
Und es werde weitere Info-Veranstaltungen und Gespräche geben, diese dann – so wurde eine Anregung aus dem Publikum aufgegriffen – auch mit einer Person auf dem Podium, die die Gegenargumente vertritt (z.B. von NOLYMPIA Hamburg https://www.nolympia-hamburg.de/olympia-nach-hamburg-worueber-wir-reden-muessen/ oder einer Person, die Erfahrungen mit der Ausrichtung und Auswertung der (finanziellen) Resultate von Großveranstaltungen im Ruhrgebiet für Veranstalter und öffentliche Hand hat).
Also macht euch schlau, bleibt dran und geht nicht unvorbereitet in die Einwohnerbefragung.
Und noch etwas: Bochum sollte sich unbedingt die Einsicht von Wolf Vostell zu eigen machen: Die Verbesserung des Lebens ist die Olympiade – und nicht die Sekunde beim 100 m Lauf.
In diesem Sinn hoffe ich dringend auf eine Goldmedaille für Bochum.“
