Lebenswertes Viertel: das Konzept des Superblocks

mehr Aufenthaltsqualität durch weniger Durchgangsverkehr

Superblock – wer da an Hochhäuser und soziale Parallelwelten a la Sido „mein Block“ denkt, liegt falsch.

Denn es ist ein Erfolgskonzept zur Gestaltung des öffentlichen Raums. Bekannt geworden sind Superblocks durch die Erfolge in Barcelona, wo die Superblock-Viertel Superilles heißen.

Auch in Deutschland sind Superblocks schon erfolgreich umgesetzt worden.
In Berlin heißen sie Kiezblocks, in Köln Superveedel.

Was macht Superblocks aus?

Kennzeichnend ist eine deutlich Reduzierung des Durchgangsverkehrs durch dessen Ableitung auf Hauptstraßen durch z.B Diagonalsperren und Einbahnstraßen. Trotzdem ist im Superblock alles immer noch mit dem Auto erreichbar. Der Verkehr wird für alle Menschen sicherer und die Aufenthaltsqualität wird besser. Entgegen anderen Befürchtungen profitiert der Einzelhandel, wie sich in Barcelona erwiesen hat. Ein Superblockviertel kann dein zweites Wohnzimmer – zum Entspannen, Reden und Entdecken sein.

Kurz gesagt:

  • In einem Superblock haben Fußgänger:innen und Fahrradfahrende Vorrang und die Straße wird zu mehr, als nur einer Fahrbahn für Autos!
  • Superblocks verbessern die Luftqualität: Sie verringern den Autoverkehr, senken CO2-Emissionen und Luftverschmutzung.
  • Superblocks halten die Stadt grün und kühl: Pflanzen sorgen für ein gutes Stadtklima und schützen in Hitzesommern.
  • Superblocks schaffen Platz für Menschen und Begegnungen, z. B. mit Sitzgelegenheiten und Spielplätzen.

Was ist bei der Planung unbedingt erforderlich?

Wenn die Einführung eines Superblocks erfolgreich sein soll, dann braucht es Bürgerbeteiligung.
Bürger:innen müssen sich schon im laufenden Planungsprozess einbringen können, wenn eine breite Akzeptanz erreicht werden soll.

Zarte Superblock- Pflänzchen auch in Bochum

In Bochum gibt es Initiativen, die sich mit dem Thema Lebenswertes Viertel beschäftigen:

  • In der Speckschweiz (östlicher Teil von Hamme) hat sich eine Gruppe von Interessierten zusammengefunden, die Ideen für die Umsetzung des Konzepts eines Superblocks erarbeitet.
    Die Ergebnisse sollen auf der Spielstraße in der Haldenstraße am 9. Mai (14 bis 18 Uhr) vorgestellt werden.
    Außerdem wird eine Bürgerkonferenz vorbereitet
  • Das Viertel in Riemke östlich des Marktplatzes ist stark von Abkürzungsverkehr (Tippelsberger Straße zur Autobahnauffahrt A43 an der Herner Straße) betroffen.
    Die Stadt hatte mit Pollern versucht, den Durchgangsverkehr aus dem Viertel herauszuhalten. Die Autos haben aber noch eine Lücke entdeckt und fahren jetzt durch die schmale Windthorststraße.
    Eine Initiative kämpft schon lange für eine Verkehrsberuhigung.
  • In Weitmar-Mark haben in letzter Zeit 3 Bürger Anträge für ein lebenswerteres Viertel gestellt.
    Ein Antrag für Tempo 30 auf der Karl-Friedrich-Straße wurde von der Bezirksvertretung begrüßt, wird aber nicht umgesetzt. Ein Antrag auf Tempo 30 auf der Markstraße wurde im Mobilitätsausschuss abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wurde ein Antrag für einen Kreisverkehr an der gefährlichen Kreuzung Karl-Friedrich-Straße/ An der Holtbrügge/Am Kuhlenkamp.
    Im Viertel stehen Entwicklungen an, die für noch mehr Verkehrs sorgen werden: Ein Neubauprojekt mit 60 Wohnungen, ein Studentenwohnheim und ein Edeka-Markt.
    Auf Anregung der Stadtgestalter gab es ein Treffen mit Bürgern aus Weitmar-Mark. Es soll ein Konzept für eine Verbesserung des Verkehrs erarbeitet werden.

Für weitere Informationen könnt ihr euch an den VCD Bochum wenden: info@vcd-bochum.de

Ein Superblock ist die Verkehrswende im Kleinen – aber viele Superblocks verändern die ganze Stadt.Wie also Superblocks konkret umsetzen?

Hierfür hat Changing Cities eine Handreichung für Verwaltungen und Initiativen entwickelt. Empfehlungen für Superblocks (Die ESu23 wird gerade überarbeitet. Die ESu26 soll noch in diesem Jahr erscheinen):

  1. BasisstandardAnliegerzonen ordnen die Verkehrsführung neu und bilden die Grundlage für Superblocks. Sie erhöhen die Verkehrssicherheit und schaffen Raum für Umgestaltung. Der Kfz-Durchgangsverkehr wird unterbunden. Fuß- und Radverkehr erhalten mehr Platz
  2. Regelstandard
    Der Regelstandard sollte unmittelbar nach Erreichen des Mindeststandards planerisch angegangen werden.
    Wichtig sind Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität (mehr Grün, Sitzgelegenheiten, Spielplätze, Kommunikationsflächen).
    Es soll nicht nur der Durchgangsverkehr herausgenommen werden, auch soll es im Viertel weniger Autos geben, das kann zum Beispiel durch ein Parkraummanagement und Carsharing erreicht werden.
  3. Zielstandard
    Die durch Maßnahmen in Basis- und Regelstandard begonnen Entwicklungen werden im Zielstandard ausgeweitet. Der Straßenraum wird weiter umgestaltet und multifunktional genutzt: Es entstehen Flächen zum Spielen, Aufenthalt, Begegnung und sozialen Austausch. Der ruhende Kfz-Verkehr im öffentlichen Raum wird stark reduziert und auf gesonderte Flächen verlagert.

Mehr Informationen zu Superblocks:
Eine Anleitung für die Gründung einer Superblock-Initiative, herausgegeben von Changing Cities:
https://changing-cities.org/wp-content/uploads/2024/07/How-to-Superblock-Changing-Cities.pdf
Empfehlungen für Superblocks ESu23:
https://changing-cities.org/wp-content/uploads/2024/08/Empfehlungen-fuer-Superblocks-2023-Version-1.1.pdf

Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.(IKEM) hat im Auftrag von Changing Cities und Bürgerbegehren Klimaschutz e.V. zwei Broschüren zur Bürgerbeteiligung herausgegeben:
https://changing-cities.org/wp-content/uploads/2024/09/2024-04-24-Gutachten-Einfuehrung-von-Superblocks.pdf
https://changing-cities.org/wp-content/uploads/2024/09/2024-04-10_Handlungsempfehlungen-Superblocks.pdf