Privates Fazit der Bürgerbeteiligung vom 4. März 2026 zu Sitzinseln an der Dorstener Straße.
Begrünungsoffensive Dorstener Straße
Was von den Plänen übrig blieb: Sitzbank, Pflanzkübel, Mülleimer
Am 4. März, 16:30 wurde die Dorstener Straße im Sinne des Beteiligungsformats Bürger-Information begangen, um Orte für drei neu zu planende sogenannte Sitzinseln vorzustellen.
Es handelt sich um die lieblichen Orte an der
- Einmündung Hedwigstr/ Dorstener Straße
- Einmündung Hildegardstr /Dorstener Straße
- Dorstener Str. Bahnhof Hamme mit Blick auf die Straße Seilfahrt.



Nach einer Stunde etwas ratlosem Herumstehen und -wandern in Feinstaub und Lärm (45-79 dBA) lechzten die wenigen Teilnehmer*innen nach Ruhe und frischer Luft und nahmen die nächste Straßenbahn oder Abkürzung zu Fuß nach Hause. Ernüchtertes Fazit: Die Dorstener Straße bleibt – trotz ISEK – eine No-Go-Area und eine No-Sit-Area vermutlich auch. Wollen wir uns damit wirklich abfinden?
Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet: Fatalismus und Aktionismus für die „Dorstener“ – damit kann niemand zufrieden sein
Im Rahmen des ISEK (Integriertes Stadterneuerungskonzept) Bochum Hamme wurden renommierte Planungsbüros beauftragt und mehrere umfangreiche Fachgutachten und Konzepte, wie das sog. Freiraumkonzept erstellt.
Aus den im Freiraumkonzept gegebenen Empfehlungen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität entlang der Dorstener Straße griff die Stadt Bochum (Amt für Stadtplanung und Wohnen) lediglich das Stichwort „Bänke“ heraus und konzipierte die ‚Sitzinseln‘.
Eine Sitzinsel besteht im Wesentlichen aus einer Standard-Sitzbank, einem Pflanzkübel (allerdings nur, wenn sich eine private Person findet, die das Bewässern übernimmt) und einem Mülleimer. Wo es passt, kommt ein Blühstreifen hinzu. Pflasteraufnahme, Entsiegelung sind nicht vorgesehen.
Drei der Sitzinsel-Stationen wurden Ende 2025 vorgestellt und per Bürgerbeteiligung durfte man noch eines von drei vorgegebenen Emblemen für die – abweichend von Vorschlägen im Fachgutachten – (von wem eigentlich?) festgelegten Wegweiser zu den etwas abseits gelegenen Grünflächen auswählen.
Die sich beteiligenden Bürger stimmten für das Symbol „Bäume“. Siehe auch https://bochum-mitgestalten.de/gruene-wege-hamme.
Drei weitere Sitzinselstationen waren jetzt Gegenstand des Informations-Spaziergangs am 4. März.
Dieses Vorgehen soll Bürger*innen und Politik tatsächlich – und offensichtlich völlig ironiefrei – als Partizipation verkauft werden.
Liebe Politik und Stadtverwaltung, eine Sitzbank ist besser als keine Sitzbank, und es gibt bestimmt betagte Menschen, die froh sind, sich auf dem Weg zum Arzt oder Einkaufen ausruhen zu können…aber dieses magere Resultat bitte nicht als Erfolg für das ISEK Hamme werten.
Denn diese Bänke sind weniger als ein Trostpflaster für alle nicht umgesetzten Vorschläge aus dem Freiraumkonzept. Es ist zum Heulen und vor Ort auch zum Husten (Feinstaub) und Schreien (Lärm)…aber sicher noch nicht zu spät.
Hamme kann grüner, bunter, ja sogar inspirierender werden. Das ISEK läuft noch bis 2029. Und bitte auch in Hamme ‚Bochum 2035‘ im Blick behalten, die Begrünungsoffensive adoptieren und weitere kluge Vorschläge aus Freiraum- und Mobilitätskonzept nicht achselzuckend abschreiben, sondern nochmal durchdenken und anpacken.
Gerne gemeinsam, weil ja das WIR zählt, oder etwa doch nicht?
Und hier zum Weiterlesen der Einstieg in den – etwas komplexen – Hintergrund:
Für das Integrierte Stadterneuerungskonzept Bochum Hamme (ISEK 2019-2029) wurden mehrere profunde Gutachten und Konzepte durch renommierte Planungsbüros erstellt.
2024 wurde das sogenannte Freiraumkonzept veröffentlicht (siehe auch Mitteilung der Verwaltung Nr.: 20242261). Es beinhaltet neben einigen positiven Aspekten eine nüchterne und schonungslose Mangelanalyse – teils erarbeitet unter Beteiligung verschiedener betroffener (Alters)gruppen.
Für die Dorstener Straße heißt es unter anderem: „Eine Sonderstellung nimmt die Dorstener Straße ein. Die Straße ist weitestgehend ohne Baumbestand. Nur abschnittsweise wird die Straße einseitig von Bäumen gesäumt. Die Straße als zentrale Hauptachse und Verbindung zwischen A40 und der Bochumer Innenstadt ist stark durch Straßen- und Schienenverkehr belastet (vgl. Lärmkartierung Abbildung 14). Sie bildet eine Hauptachse des ÖPNVs . Die Ergebnisse der Beteiligung zeigten, dass viele Hammer*innen nach Möglichkeit Fußwege entlang der Dorstener Straße vermeiden und zum Teil auch sehr kurze Strecken stattdessen lieber mit dem ÖPNV zurücklegen“
Aus der Mangelanalyse leitete das beauftragte Planungsbüro eine beeindruckende Zahl pragmatischer Verbesserungsvorschläge ab.
Übersichts-Karte des Freiraumkonzepts 2024

Das Konzept beinhaltet u.a. das Modell ‚Grüne Wege Hamme‘, das die bestehenden Grünflächen durch aufgewertete Wege verbinden und die Hauptachsen durch Begrünung attraktiver und klimaresilienter machen soll und schlägt eine „Begrünungsoffensive Dorstener Straße“ vor (siehe rote Markierung in der Karte).
Dazu ein weiteres kurzes Zitat (S.19): „Aktuell befinden sich im Plangebiet 938 Straßenbäume. Nach derzeitigem Datenstand wurden zwischen 2009 und 2019 insgesamt 128 Straßenbäume gefällt, für die bislang keine Nachpflanzung am gleichen Standort erfolgen konnte“
Für diejenigen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten das Freiraumkonzept Hamme findet man hier: https://bochum.ratsinfomanagement.net/ im Feld Recherche ‚Mitteilung der Verwaltung Nr.: 2024226‘ eingeben.
Regine Reinstorf, aktiv im Nachbarschaftskreis Hamme, Expedition Hamme
