Aktiv für eine grundlegende Mobilitätswende


Du bist ja seit langem Aktivist in der Mobilitätsbewegung – was ist dein besonders Anliegen, das dich antreibt?

Karl-Heinz: Nach dem Ende meines beruflichen Lebens habe ich beschlossen, alle Wege weitgehend zu Fuß, mit dem Rad oder ÖPNV zu machen. Da stellt man schnell fest, dass hier einiges im Argen liegt.
Ich habe mich dann bald der Radwende Bochum angeschlossen, um politisch Einfluss für ein gutes und sicheres Radwegenetz zu nehmen. Mir ist aber eine Festlegung auf den Radverkehr zu wenig. Ich will die gesamte umweltfreundliche Mobilität im Blick haben, deshalb arbeite ich auch im VCD Bochum mit.


Mobilität war ja in der zu Ende gehenden Periode des Rates ein ziemlich heißes Thema. Ihr habt mit dem Radentscheid ein wichtiges Zeichen gesetzt und die nachfolgende Behandlung durch die Ratsmehrheit war umso erbärmlicher. Wie bewertest du die Situation drei Jahre danach?

Karl-Heinz: Die Radwende und weitere Initiativen haben sehr viel Arbeit in den Radentscheid investiert. Es wurden 17.000 Unterschriften gesammelt. Das war ein großer Erfolg.
Umso größer war die Enttäuschung als der Rat der Stadt Bochum den Radentscheid mit der Ausrede angeblicher juristischer Mängel abgelehnt hat. Auch die Grünen im Rat haben mit SPD, CDU und FDP gestimmt, obwohl die Partei den Radentscheid mit unterstützt hatte.
Leider hat das dazu geführt, dass viele Aktive der Radwende frustriert waren und bei der Radwende nicht mehr aktiv dabei sind. Trotzdem bleibt die Radwende ein Unruheherd in Bochum und wir machen weiter Aktionen für eine bessere Mobilität in Bochum.


Welche Ziele setzt ihr euch im Moment bzw. was steht derzeit im Zentrum eurer Arbeit?

Karl-Heinz: Ein großes Problem ist in Bochum, dass der Anteil des Autoverkehrs zu hoch ist. Die Zahl der angemeldeten PKWs nimmt in Bochum immer weiter zu. Das führt dazu, dass es in den Stadtteilen einen hohen Parkdruck gibt. Da Autofahrer nicht weit laufen wollen, werden viele Autos auf den Gehwegen geparkt und führen so zu gefährlichen Situationen vor allem für zu Fuß gehende.
Leider werden Parkvergehen von der Stadt Bochum nur sehr wenig geahndet.
Bei den Beschlüssen in den politischen Gremien sieht man, dass die politischen Parteien, seien es die SPD, aber auch die Grünen, keine Beschlüsse fällen wollen, die den Autoverkehr einschränken. Zuletzt haben wir das bei einem Antrag an den Mobilitätsausschuss gesehen. Hier hatten mehrere Initiativen Tempo 30 auf der Dorstener Straße beantragt. Der Antrag wurde von allen Parteien im Ausschuss abgelehnt. Hierzu muss man wissen, dass die Dorstener Straße ein Lärmschwerpunkt und Unfallschwerpunkt in Bochum ist. Aber wenn es um Rechte von Autofahrern geht, dann hat die Gesundheit der Anwohner wohl zurückzustehen.
Auch der ÖPNV bleibt bedauerlicherweise weiter schlecht, auch wenn es vereinzelt Verbesserungen gab, und ist für viele Menschen zu teuer.
In Bochum gibt es schon mehr Fahrradwege. Aber wenn man genau hinsieht, sind es in der Masse Fahrradwege an Straßenneubauten, wie die Alleestraße oder Castroper Straße. Hier muss die Stadt Bochum Fahrradwege anlegen, wenn Sie eine Förderung für den Straßenumbau bekommen möchte. Aber auch diese Fahrradwege enden dann plötzlich. Es fehlt ein zusammenhängendes und sicheres Radwegenetz.
Um mehr Sicherheit für Radfahrende zu erreichen, wird die Radwende weiter Aktionen machen. So soll es am 6. September eine Fahrrademonstration geben.


Du arbeitest ja seit Anfang unserer Kampagne aktiv mit – meinst du, das Bochum gemeinsam für die Mobilitätsbewegung einen Beitrag leisten kann?

Karl-Heinz: Bochum gemeinsam ist auf jeden Fall wichtig für die Mobilitätsbewegung.
Ich habe mich schon immer darüber geärgert, dass es zwischen den Initiativen in Bochum zu wenig Zusammenarbeit gibt. Ein Ziel von Bochum gemeinsam ist ja, ein gemeinsames Dach für die politischen Initiativen in Bochum zu schaffen. Das muss aber mit noch mehr „Leben“ gefüllt werden.
Leider konnten sich der VCD Bochum und der ADFC Bochum bisher nicht dazu entscheiden, bei Bochum gemeinsam mitzumachen. Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten.
Wichtig finde ich, dass Bochum gemeinsam nach der Kommunalwahl im September weiter arbeitet und die Politik in Bochum unter Druck setzt.